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Peter Brandes

Bochum, Germany
Die Lehre(n) philologischen Wissens. Zu Ethos und Zeitlichkeit der Literaturwissenschaft
Monday, 11th September | 14:00 – 15:30

Der Beitrag nimmt seinen Ausgang von Peter Szondis Annahme (Über philologische Erkenntnis), dass das Wissen der Literaturwissenschaft historisch kodiert sei und sich deshalb die Repräsentation von philologischen Wissen kategorial von der des naturwissenschaftlichen Wissens unterscheide. Der institutionelle, kulturelle und historische Kontext des literaturwissenschaftlichen Diskurses bleibt von dem Moment der Kritik, das in der philologischen Arbeit zum Tragen kommt (Textkritik, ästhetische Kritik, Ideologiekritik etc.), nicht unberührt. Die Literaturwissenschaft reagiert auf die Herausforderungen der Humanities durch politische, kulturelle oder mediale Umbrüche nicht (oder nicht nur) aus strategischen Erwägungen, sondern aufgrund der spezifischen Konstitution ihrer Verfahrensweisen (Hermeneutik, Strukturalismus, Dekonstruktion etc.). Dementsprechend wären auch die Lehren literaturwissenschaftlicher Erkenntnis in didaktischer und zeitkritischer Hinsicht als Analysen gesellschaftlicher Wissensformationen anzusehen. In diesem Sinne ließe sich von einer ethischen Ausrichtung der Literaturwissenschaft, in der sich nicht nur ein Wissen der Kritik, das die Vergangenheit und Gegenwart des kulturellen Erbes betrifft, artikuliert, sondern auch eine spezifische Form des Zukunftswissens, das die Vision des Faches im Besonderen und die der Humanities im Allgemeinen betrifft. Unter diesem Fokus wird der Beitrag sich mit Positionen zur Philologie bzw. zur Wissensgeschichte von Peter Szondi, Werner Hamacher und Joseph Vogl auseinandersetzen. Der Beitrag zielt darauf, eine Diskussion über die Frage nach dem Status des philologischen Wissens als Zukunftswissen im Diskurs der Humanities anzustoßen.